Chef*in wird, wer etwas besonders gut kann. So sind Kaderpositionen meist mit hervorragenden Fachspezialist*innen besetzt, aber selten mit Führungspersönlichkeiten.

Wolfgang hatte es drauf. Monat für Monat lag er im internen Verkaufsranking an der Spitze. Er hatte Charme, konnte den potenziellen Kundinnen und Kunden ihre Wünsche von den Augen ablesen, war zupackend und erfolgshungrig. “Unser bester Verkäufer, sie werden hier noch Karriere machen”, pflegte seine Abteilungsleiterin zu sagen. Und so kam es: Wolfgang wurde zum Chef der Aussendienstabteilung ernannt und hatte fortan ein Team mit 18 Verkäufern unter sich.

Statt weiter mit dem Firmenwagen auf Kunden-Tour zu gehen und mit unterschriebenen…


Kritischer Journalismus ist demokratierelevant, heisst es. Doch die strukturelle Krise in der Medienbranche führt zu einem kontinuierlichen Abbau. Ein steter Abbau an Leistung, an Qualität, an Abdeckung der ländlichen Regionen. Hier meine Situationsanalyse.

Journalismus hat sich noch nie über Inhalte finanziert. Früher kam das Geld auch vom Anzeigengeschäft (Jobs, Immobilien, Kleinanzeigen) und von klassischer Werbung. Doch dieses Geschäft hat sich ins Internet verlagert, allerdings weg von den klassischen Medien.

Der Schweizer Medienbranche gingen in den letzten 10 Jahren nicht weniger als 1 Milliarde Franken Werbeeinnahmen verlustig. Die grossen Profiteure heissen Facebook und Google. …


Unser Hirn ist nach jahrelanger Übung gut trainiert. Kaum sehen wir eine Schlagzeile, kippt auch schon unser Emotionsschalter. Sekundenschnell teilen wir ein in Gut und Böse, Richtig oder Falsch. Zeitgleich steigen Emotionen aus dem Bauch empor, gehen in Stellung, sofort bereit mit brachialer Härte das erstbeste Gefühl in die Tasten zu hauen und als Kommentar zu platzieren. Sowas kann ja nicht unkommentiert stehen gelassen werden. Nein.

Da wird der Name “Mohrenkopf” als Zeichen gegen Rassismus geändert. “Hier wird unsere Kultur zerstört. Pfui.” Da beschliesst der Bundesrat Maskenpflicht im ÖV. “Freiheitsberaubung!” Da sollen gleichgeschlechtliche Paare künftig auch heiraten dürfen. …


Tagblatt.ch erreicht jede Woche 250'000 User im Netz. 9 von 10 Online-Geschichten sind Übernahmen aus dem Print und werden von den Journalisten mit Links, Bildern oder einem anderen Titel für Online adaptiert. Damit ist klar: Wie bieten unseren Leserinnen und Lesern auf unseren digitalen Kanälen noch kein optimales, multimediales Storytelling. Die Redaktion arbeitet konvergent, aber die Sach- und Strukturzwänge erschweren eine konsequente Ausrichtung auf das Digitale. Im Sommer 2018 haben wir eine Paid-Content-Strategie eingeführt. So kostet die Nutzung unseres digitalen Angebots 14.50 Franken im Monat. Wir wollen damit neue, jüngere Zielgruppen erreichen.

Der Onlineredaktion kommt hier eine entscheidende Rolle zu…


Wie hat sich doch unsere Freizeitgestaltung verändert. 14–29-Jährige verbringen neusten Studien zufolge sechs Stunden täglich online. Schöne Momente werden auf Instagram mit dem Rest der Welt geteilt, mit Freunden steht man via Whatsapp in digitalem Dauerkontakt. Auf der Wanderung im Wald hilft uns Google Maps den Weg zu finden, auf der Fahrt in die Ferien buchen wir via Hotelplattform rasch eine Übernachtung, die wir direkt digital bezahlen. All das fühlt sich logisch an — als wäre es nie anders gewesen.

Das Silicon Valley hat sich aufgemacht, uns punkto Kommunikation und Unterhaltung Wünsche zu erfüllen, von denen wir nicht einmal wussten…


Sünde 1: Gratiskultur

“Was nichts kostet, ist nichts wert”, pflegte Oma zu sagen.

Verleger sind sich heute weitgehend einig; teuer produzierte Inhalte kostenlose ins Netz zu stellen, war einer der grössten Fehler zu Beginn der Internet-Ära. Mit dieser Haltung wurde nicht nur ein neues Geschäftsmodell brachliegen gelassen, schlimmer noch; es wurde eine Gratiskultur erzeugt, aus deren Fängen man sich heute kaum mehr zu lösen weiss. Diese Gratiskultur schlug sich auch im Selbstverständnis einer jeden Redaktion nieder; Online ist (vermeintlich) weniger wert als das traditionelle Kerngeschäft — Print, Radio, TV. …


Leitartikel zu den Herausforderungen der Digitalisierung (erschienen im St.Galler Tagblatt)

„Das Potenzial für den weltweiten Computer-Markt liegt bei etwa fünf Stück“, sagte Thomas Watson 1943, damals Chef von IBM. Ein Computer war so gross wie ein Zimmer und nur Universitäten konnten sich einen solchen leisten. Wie hätte Watson ahnen können, dass sich heute ein Vielfaches an Rechenleistung in winzigen und günstigen Mikrochips wiederfindet und fast jeder von uns einen kleinen Computer in der Hosentasche mit sich führt.

In den vergangenen Jahrzehnten lagen Technologie-Manager aus aller Welt mit ihren Prognosen reihenweise falsch. Berkeley-Professor Philip Tetlock liess über einen Zeitraum von zehn…


Komplexe Analysen zur Medienkrise gibt es viele. Hier eine stark verkürzte und vereinfachte.

Vier Grundvoraussetzungen zum Überleben:

Die Aufgabe der Medien

  • Fürs Zielpublikum relevante, gut recherchierte und attraktiv aufbereitete Inhalte.
  • Eine kinderleichte Bezahllösung, die für den zahlungsbereiten Leser/User keinen Aufwand bedeutet.

Die Haltung der Konsumenten

  • Die Bereitschaft, für qualitativ hochwertigen und damit redaktionell aufwändigen Journalismus Geld zu bezahlen.

Die Verantwortung der Werber

  • Werbebudgets, die sich nicht nur auf Google und Facebook verteilen, sondern für regionale Angebote auch regionale Medien berücksichtigen.

Machen die Medien ihren Job nicht gut genug, dann bezahlen Leser auch kein Geld dafür. Ohne ausreichend grosse Leserschaft ist der Medientitel unattraktiv für die Werber. In beiden Fällen stirbt das Medium…


Die Prognose ist einfach: Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Was wir heute unter Arbeitskraft verstehen, wird sich dadurch radikal ändern. Roboter werden schon bald ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft sein. In dieser Koexistenz müssen wir nicht nur rechtliche und ethische Rahmenbedingungen für die künstlichen Intelligenzen klären — wir müssen ans Eingemachte und unsere eigene Rolle auf dem Planeten neu definieren.

Bei Digitalkonferenzen ist das Thema Robotik und künstliche Intelligenz angekommen. Es werden Podiumsgespräche geführt und laufend neue Fortschritte präsentiert. Bald schon werden Themen rund um intelligente Technologie aber in der breiten Gesellschaft ankommen (müssen). …


Social-Media-Algorithmen stellen uns immer wieder vor Rätsel. Wie bewerten sie unsere Inhalte und wie erzielen wir maximale Aufmerksamkeit? Hier mein Versuch, einige oft gestellte Fragen zu beantworten. Widerspruch und Ergänzungen sehr gerne kommentieren.

Wie beurteilen Algorithmen unsere Inhalte?

Social-Media-Plattformen wie Facebook und Instagram verkaufen Werbung. Je mehr Zeit wir Nutzer auf diesen Plattformen verbringen, desto mehr Werbung können sie verkaufen. Darum haben die Algorithmen ein Ziel: Inhalte anzeigen, welche uns gefallen und uns möglichst lange auf der Plattform behalten. Gute Inhalte werden belohnt und häufiger angezeigt, schlechte hingegen bestraft und verborgen. …

Martin Oswald

Projektleiter Digitale Transformation CH Media, Journalist, Dozent für Social Media & Digital-Strategie

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